Länderinformation Russland

Russland kann in der Forschung auf eine lange Tradition zurückblicken. Bis zum Ende der 1980-er Jahre gehörte die Sowjetunion insbesondere in der Grundlagenforschung zu den führenden Ländern weltweit. Der Zusammenbruch der Sowjetunion führte seit Anfang der neunziger Jahre allerdings zu einem starken Rückgang der öffentlichen Ausgaben für Forschung und Entwicklung in Russland. Damit einhergehend verschlechterten sich die Grundlagen des russischen FuE-Sektors, da bestehende FuE-Infrastrukturen und Institute nicht mehr adäquat unterhalten werden konnten und viele Wissenschaftler/innen das Land verließen oder in die Privatwirtschaft abwanderten. Nach der Wirtschaftskrise von 1998 und der danach einsetzenden wirtschaftlichen Konsolidierung hat die russische Regierung in den letzten Jahren ihr Augenmerk wieder stärker auf Forschung und Entwicklung gelenkt und diese Themen zur nationalen Priorität gemacht. So setzt die aktuelle Regierungsstrategie "Innovatives Russland 2020" auf eine alle gesellschaftlichen Bereiche umfassende Innovationsausrichtung von Wirtschaft, Wissenschaft und Staat und strebt einen Anstieg der Ausgaben für wissenschaftliche Forschung und Entwicklung in Russland auf 2,4 Prozent des BIP bis 2020 an.

Für die politisch angestrebte Modernisierung des russischen Wirtschafts- und Innovationssystems spielen Klimaschutz- und Umwelttechnologien sowie Energieeffizienz eine wachsende Rolle. So zählen Energieeffizienz und Energieeinsparung zu den fünf strategischen Prioritätsbereichen der russischen Regierung, in denen sie Potenziale zur langfristigen Stärkung der Innovationskraft der russischen Wirtschaft sieht. Hinzu kommt ein ausgewiesener Förderschwerpunkt für den Bereich der rationellen Naturnutzung und Energietechnik im Rahmen des Föderalen Zielprogramms zur Entwicklung des wissenschaftlichen und technologischen Bereichs in Russland.

Verschiedene Programme und Gesetze stärken diese strategischen Schwerpunktsetzungen im Umwelt- und Nachhaltigkeitsbereich. So sollen im Rahmen der Wasserstrategie 2020 aus dem Jahr 2009 Projekte zur Verbesserung der Wasserinfrastruktur vorangetrieben werden, die Finanzmittel in Höhe von rund 17 Milliarden Euro erfordern. Das 2011 gestartete Regierungsprogramm ‚Sauberes Wasser’ zielt auf eine nachhaltige Verbesserung der Trinkwasserversorgung und Abwasseraufbereitung. Im Energiebereich wurden mit dem Gesetz über die Energieeinsparung und die Erhöhung der Energieeffizienz aus dem Jahr 2009 die rechtlichen, wirtschaftlichen und organisatorischen Grundlagen für die Steigerung der Energieeinsparung und die Erhöhung der Energieeffizienz geschaffen. Maßnahmen hierfür werden im Rahmen der Russischen Energiestrategie bis zum Jahr 2030 umgesetzt.

In diesem Kontext bemerkenswert ist sicherlich auch die russische Klimadoktrin, die am 17. Dezember 2009 unterzeichnet wurde. Sie stellt einen wichtigen Wendepunkt in der offiziellen Haltung der russischen Regierung zum Klimawandel dar. Erstmals erkennt Russland in einem Regierungsdokument die Tatsache der Klimaänderung an, ebenso wie ihre Verursachung durch den Menschen und ihre Folgen. Die Doktrin setzt allerdings nicht auf die Verhinderung des Klimawandels, sondern auf die Anpassung. Sie steht im Zusammenhang mit aktuellen klima- und energiepolitischen Entscheidungen in Russland, wie beispielsweise die Erhöhung der Energieeffizienz Russlands um 40 Prozent bis 2020 und die Reduzierung von Treibhausgasen um 25 Prozent. Die Benennung eines persönlichen Beauftragten des Präsidenten für den Klimawandel ist hierfür ein wichtiges Signal.

Allgemeine Informationen zu Russland finden Sie unter
http://www.kooperation-international.de/buf/russland/laenderbericht.html


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